{"id":100,"date":"2019-03-14T12:00:53","date_gmt":"2019-03-14T11:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/?p=100"},"modified":"2019-03-14T16:11:47","modified_gmt":"2019-03-14T15:11:47","slug":"zum-vortrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/2019\/03\/14\/zum-vortrag\/","title":{"rendered":"Zum Vortrag"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie es ist, ein s\u00fcchtiges Familienmitglied zu haben, wei\u00df nur jemand, der es selbst erlebt hat&#8220;<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Ver\u00e4nderung eines Kindes, das s\u00fcchtig wird, trifft die Eltern sehr schmerzvoll.<br>Es beginnt ganz langsam und f\u00e4llt meist in die Zeit der so genannten \u201e Flegeljahre\u201c, der Pubert\u00e4t.<br>Es ist die Zeit, in der der Einfluss des Elternhauses geringer wird und die Ma\u00dfst\u00e4be der Gleichaltrigen wichtiger werden als die Mahnungen der Eltern.<br>Obwohl diese Eltern mit Sorge das Treiben des Jugendlichen beobachten, wollen sie nicht wahrhaben, dass auch Rauschmittelkonsum hinter manchen Ver\u00e4nderungen stecken kann.<br>Erst wenn das Verhalten des Kindes immer unverst\u00e4ndlicher wird,<br><strong>&nbsp;&nbsp; seine Reaktionen,<br>&nbsp;&nbsp; seine Interessen,<br>&nbsp;&nbsp; sein \u00c4u\u00dferes, &nbsp;&nbsp; sein Freundeskreis sich total ver\u00e4ndert,<br>&nbsp;&nbsp; die Leistungen in der Schule nachlassen,<br>&nbsp;&nbsp; wenn der Jugendliche abends nicht nach hause und morgens nicht<br>&nbsp;&nbsp; aus dem Bett kommt,<br>&nbsp;&nbsp; der sonst so offene Blick unstet und fahrig wird<\/strong><br>beginnen die Eltern Verdacht zu sch\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie stellen Fragen und erhalten ausweichende Antworten, sie suchen nach Beweisen im Chaos des Zimmers.<br>Es wird zur Gewissheit:&nbsp;<strong>Mein Kind nimmt Drogen!<\/strong><br>\u201eMach Dir keine Sorgen, ich habe alles total im Griff\u201c, ist die Antwort, die Eltern gar zu gerne h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem schwanken sie<br><strong>&nbsp;&nbsp; zwischen Vertrauen und Kontrolle,<br>&nbsp;&nbsp; zwischen Festhalten und Loslassen,<br>&nbsp;&nbsp; immer die Schreckensbilder vor Augen, die man aus den Medien<br>&nbsp;&nbsp; kennt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig kommen hier die qu\u00e4lenden Gedanken<br>Was ist wohl schief gelaufen?<br>Haben wir uns zu wenig gek\u00fcmmert oder zuviel Verw\u00f6hnung geboten?<br>Drogens\u00fcchtige kommen nicht nur in so genannten asozialen oder in gest\u00f6rten Familienverh\u00e4ltnissen vor.<br>Diese Vorurteile der Gesellschaft verf\u00fchren dazu, unter allen Umst\u00e4nden zu verhindern, dass jemand davon erf\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eltern sind st\u00e4ndig hin und her gerissen<br><strong>&nbsp;&nbsp; zwischen dem Gef\u00fchl der Verantwortung,<br>&nbsp;&nbsp; der eigenen Schuld,<br>&nbsp;&nbsp; und der entsetzlichen Hilflosigkeit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von ihren Kindern werden sie belogen oder als \u201ev\u00f6llig hysterisch\u201c beschimpft.<br>Gleichzeitig werden sie mit immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Forderungen konfrontiert.<br>Sie reagieren v\u00f6llig falsch und inkonsequent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es werden harte Verbote ausgesprochen,<br>deren Einhaltung nicht durchgesetzt wird.<br>Sie bezahlen angelaufene Schulden,<br>schreiben Entschuldigungen f\u00fcr die Schule<br>oder dem Ausbilder um Schlimmeres zu verh\u00fcten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eltern und Angeh\u00f6rige zeigen ein uneinheitliches Verhalten, sodass der Jugendliche einen gegen den anderen ausspielen kann.<br><br>&nbsp;&nbsp; Den Vater gegen die Mutter oder<br>&nbsp;&nbsp; beide gegen die Oma.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig werden andere Schuldige f\u00fcr das Abgleiten des Kinds gesucht.<br><strong>&nbsp;&nbsp; z.B. der schlechte Freund,<br>&nbsp;&nbsp; der ungerechte Lehrer oder Ausbilder, und<br>&nbsp;&nbsp; der b\u00f6se Dealer.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So werden Eltern erpressbar f\u00fcr die uners\u00e4ttlichen Forderungen des S\u00fcchtigen. Die ganze Familie ger\u00e4t in den Strudel, in dessen Mittelpunkt der S\u00fcchtige steht und die Hilfe und Aufmerksamkeit konsumiert wie seine Droge.<br>Die Bed\u00fcrfnisse der anderen Familienmitglieder oder gar die eigenen werden nicht mehr wahrgenommen.<br><br><strong>Alle leben in v\u00f6lliger Abh\u00e4ngigkeit von dem jeweiligen Befinden des S\u00fcchtigen.<\/strong><br><br>Sie sind am Ende ihrer Kraft, f\u00fchlen sich verzweifelt und ohnm\u00e4chtig, weil sie \u00fcberhaupt nichts ausrichten.<br><br><strong>Jetzt erkennen sie, zumeist die M\u00fctter, dass sie Hilfe brauchen<\/strong>.<br><br>Sie \u00fcberwinden ihre Scham und suchen eine Beratungsstelle auf. Dort erfahren sie, dass es eine Selbsthilfegruppe f\u00fcr betroffene Eltern gibt.<br><br>Als Ende der 60er Jahre die ersten Drogen Deutschland \u00fcberschwemmten, gab es noch keine Drogenhilfe.<br><br><strong>Die Eltern waren die ersten,<\/strong><br><strong>die Alarm schlugen und nach Hilfe suchten.<\/strong><br><br>Sie wurden sowohl von der Fachwelt wie auch von der \u00d6ffentlichkeit als&nbsp;<strong>\u201eMitverursacher\u201c<\/strong>&nbsp;der Sucht ihrer Kinder abgestempelt und&nbsp;<strong>von&nbsp;<\/strong><strong>allen Behandlungsversuchen mit Abh\u00e4ngigen ausgeschlossen.<\/strong><br>In dieser verzweifelten Situation schritten die Eltern zur Selbsthilfe.<br><br><strong>1969 wurde der erste Elternkreis in Bonn gegr\u00fcndet.<\/strong><br><br><strong>Hilfe zur Selbsthilfe<\/strong><br><br><strong>1973 schlossen sich 15 Elternkreise zum Bundesverband der Elternkreise drogengef\u00e4hrdeter und drogenabh\u00e4ngiger Jugendlicher zusammen.<\/strong><br><br>Im Jahr 1980 erstand zuerst der EK Singen, es folgte der EK Konstanz und zuletzt wurde daraus der EK Singen-Radolfzell-Konstanz. Er ist der Landesvereinigung B\/W angeschlossen<br><br>Wir treffen uns im MGH in Radolfzell. \u00dcber unsere T\u00e4tigkeit m\u00f6chte ich einiges berichten.<br>Meist \u00fcberweisen die Drogenberatungsstellen Rat suchende Eltern an die Elternkreise.&nbsp;<strong>Die \u201eProfessionellen\u201c sch\u00e4tzen inzwischen unsere Arbeit,<\/strong>&nbsp;die zu leisten sie auf Dauer nicht in der Lage sind,<br><br>&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;<strong>n\u00e4mlich die aus eigener Betroffenheit gewachsene verst\u00e4ndnisvolle Begleitung der verzweifelten Eltern<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; &nbsp; aus Leid und Hilflosigkeit,<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; &nbsp; das behutsame Eingehen auf ihre \u00c4ngste,<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; &nbsp; das Auffangen ihrer Sorgen und<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; &nbsp; die Vermittlung von Geborgenheit.<\/strong><br><br>Das A und O dieser Elternkreise ist der Erfahrungs- und Leidensaustausch betroffener Menschen.<br>Eltern lernen, dass Sucht kein Randgruppenproblem ist, sondern viele Ursachen hat.<br><br>&nbsp;&nbsp;<strong>&nbsp;\u201e Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale S\u00fcchtige.\u201c<br><\/strong><br>Ferner lernen sie, dass sie nicht den S\u00fcchtigen \u00e4ndern k\u00f6nnen, wohl aber ihr eigenes Verhalten, und dazu ben\u00f6tigen sie Hilfe.<br><br>Im Elternkreis f\u00fchlen sich Eltern getragen und verstanden.<br><br>Sie helfen sich gegenseitig<br>&nbsp;<strong>&nbsp; Gelassenheit zu bewahren,<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; die Hoffnung nie zu verlieren im Auf und Ab der Suchterkrankung ihres Kindes,<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; gemeinsam die Sucht und Cleanphasen zu durchleben,<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; die Therapiebereitschaft sowie den Th.-Abbruch,<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; Die Kriminalit\u00e4t und den Gef\u00e4ngnisbesuch,<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; Krankheit und Tod<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; sowie Hoffnung und Trauer.<\/strong><br><br>Die Lernphasen der Eltern sind unterschiedlich. Im allgemeinen gesehen ist es Schwerstarbeit, denn wer begreift, dass, wenn ich helfen will, gar nichts tun sollte.<br><br>Irgendwann, die Zeit bestimmen die Eltern selbst, k\u00f6nnen Eltern Abschied nehmen von dem verst\u00e4ndlichen Wunsch, den Lebensweg ihrer Kinder lenken und ihnen viel Leid und Irrwege ersparen zu k\u00f6nnen.<br><br>Sie begreifen, dass die Elternrolle nur&nbsp;<strong>eine begrenzte Aufgabe in ihrem Leben ist,<\/strong>&nbsp;und dass auch Eltern ein Recht haben, ihr eigenes Leben zu leben und zu gestalten, ganz egal wie sich das betroffene Kind entscheidet.<br><br>Erst wenn Eltern sich befreit haben von der ungesunden Abh\u00e4ngigkeit des S\u00fcchtigen, gewinnen Sie Kraft. eine neue Ebene der Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen.<br><br><strong>Immer wieder erleben wir es wie ein Wunder, unser Kind begreift seine Eigenverantwortlichkeit und entdeckt seine versch\u00fctteten F\u00e4higkeiten, die ihm den Weg aus der Sucht in ein freies, unabh\u00e4ngiges Leben weisen k\u00f6nnen.<\/strong><br><br>Selbsthilfegruppen sind heute eine wichtige S\u00e4ule unseres Sozial- und Gesundheitssystems.<br>Allerdings k\u00f6nnen und sollen Selbsthilfegruppen keine Leistungen im Gesundheits- und Sozialbereich einsparen helfen.<br>Sie sind&nbsp;<strong>kein Ersatz<\/strong>&nbsp;f\u00fcr die<br>&nbsp;&nbsp;<strong>&nbsp;professionelle, therapeutische Behandlung durch Fachleute,<\/strong><br><strong>&nbsp;&nbsp; sondern sinnvolle Erg\u00e4nzungen.<\/strong><br><br>Die Arbeit der Selbsthilfegruppen hat in unserer heutigen Gesellschaft einen gro\u00dfen Stellenwert.<br>Und ich m\u00f6chte meinen Vortrag mit zwei wunderbaren S\u00e4tzen beenden:<br><br><strong>Die ehrenamtlich engagierten Menschen sind die wahren Leistungstr\u00e4ger eines sozialen Staates.<\/strong><br><br><strong>Die W\u00e4hrung der B\u00fcrgerarbeit ist nicht der Euro,<\/strong><br><strong>sondern die \u00f6ffentliche Anerkennung.<\/strong><br><br>Renate Auer,<br>Mitglied der Lenkungsgruppe<br>&#8222;Suchthilfeverbund im LA Konstanz&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie es ist, ein s\u00fcchtiges Familienmitglied zu haben, wei\u00df nur jemand, der es selbst erlebt hat&#8220; Die Ver\u00e4nderung eines Kindes, das s\u00fcchtig wird, trifft die Eltern sehr schmerzvoll.Es beginnt ganz langsam und f\u00e4llt meist in die Zeit der so genannten \u201e Flegeljahre\u201c, der Pubert\u00e4t.Es ist die Zeit, in der der Einfluss des Elternhauses geringer wird und die Ma\u00dfst\u00e4be der Gleichaltrigen wichtiger werden als die Mahnungen der Eltern.Obwohl diese Eltern mit Sorge das Treiben des Jugendlichen beobachten, wollen sie nicht wahrhaben, dass auch Rauschmittelkonsum hinter manchen Ver\u00e4nderungen stecken kann.Erst wenn das Verhalten des Kindes immer unverst\u00e4ndlicher wird,&nbsp;&nbsp; seine Reaktionen,&nbsp;&nbsp; seine Interessen,&nbsp;&nbsp; sein \u00c4u\u00dferes, &nbsp;&nbsp; sein Freundeskreis sich total ver\u00e4ndert,&nbsp;&nbsp; die Leistungen in der Schule nachlassen,&nbsp;&nbsp; wenn der Jugendliche abends nicht nach hause und morgens nicht&nbsp;&nbsp; aus dem Bett kommt,&nbsp;&nbsp; der sonst so offene Blick unstet und fahrig wirdbeginnen die Eltern Verdacht zu sch\u00f6pfen. Sie stellen Fragen und erhalten ausweichende Antworten, sie suchen nach Beweisen im Chaos des Zimmers.Es wird zur Gewissheit:&nbsp;Mein Kind nimmt Drogen!\u201eMach Dir keine Sorgen, ich habe alles total im Griff\u201c, ist die Antwort, die Eltern gar zu gerne h\u00f6ren. Trotzdem schwanken sie&nbsp;&nbsp; zwischen Vertrauen und Kontrolle,&nbsp;&nbsp; zwischen Festhalten und Loslassen,&nbsp;&nbsp; immer die Schreckensbilder vor Augen, die man aus den Medien&nbsp;&nbsp; kennt. Gleichzeitig kommen hier die qu\u00e4lenden GedankenWas ist wohl schief gelaufen?Haben wir uns zu wenig gek\u00fcmmert oder zuviel Verw\u00f6hnung geboten?Drogens\u00fcchtige kommen nicht nur in so genannten asozialen oder in gest\u00f6rten Familienverh\u00e4ltnissen vor.Diese Vorurteile der Gesellschaft verf\u00fchren dazu, unter allen Umst\u00e4nden zu verhindern, dass jemand davon erf\u00e4hrt. 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Gleichzeitig werden andere Schuldige f\u00fcr das Abgleiten des Kinds gesucht.&nbsp;&nbsp; z.B. der schlechte Freund,&nbsp;&nbsp; der ungerechte Lehrer oder Ausbilder, und&nbsp;&nbsp; der b\u00f6se Dealer. So werden Eltern erpressbar f\u00fcr die uners\u00e4ttlichen Forderungen des S\u00fcchtigen. Die ganze Familie ger\u00e4t in den Strudel, in dessen Mittelpunkt der S\u00fcchtige steht und die Hilfe und Aufmerksamkeit konsumiert wie seine Droge.Die Bed\u00fcrfnisse der anderen Familienmitglieder oder gar die eigenen werden nicht mehr wahrgenommen. Alle leben in v\u00f6lliger Abh\u00e4ngigkeit von dem jeweiligen Befinden des S\u00fcchtigen. Sie sind am Ende ihrer Kraft, f\u00fchlen sich verzweifelt und ohnm\u00e4chtig, weil sie \u00fcberhaupt nichts ausrichten. Jetzt erkennen sie, zumeist die M\u00fctter, dass sie Hilfe brauchen. Sie \u00fcberwinden ihre Scham und suchen eine Beratungsstelle auf. Dort erfahren sie, dass es eine Selbsthilfegruppe f\u00fcr betroffene Eltern gibt. Als Ende der 60er Jahre die ersten Drogen Deutschland \u00fcberschwemmten, gab es noch keine Drogenhilfe. Die Eltern waren die ersten,die Alarm schlugen und nach Hilfe suchten. Sie wurden sowohl von der Fachwelt wie auch von der \u00d6ffentlichkeit als&nbsp;\u201eMitverursacher\u201c&nbsp;der Sucht ihrer Kinder abgestempelt und&nbsp;von&nbsp;allen Behandlungsversuchen mit Abh\u00e4ngigen ausgeschlossen.In dieser verzweifelten Situation schritten die Eltern zur Selbsthilfe. 1969 wurde der erste Elternkreis in Bonn gegr\u00fcndet. Hilfe zur Selbsthilfe 1973 schlossen sich 15 Elternkreise zum Bundesverband der Elternkreise drogengef\u00e4hrdeter und drogenabh\u00e4ngiger Jugendlicher zusammen. Im Jahr 1980 erstand zuerst der EK Singen, es folgte der EK Konstanz und zuletzt wurde daraus der EK Singen-Radolfzell-Konstanz. Er ist der Landesvereinigung B\/W angeschlossen Wir treffen uns im MGH in Radolfzell. \u00dcber unsere T\u00e4tigkeit m\u00f6chte ich einiges berichten.Meist \u00fcberweisen die Drogenberatungsstellen Rat suchende Eltern an die Elternkreise.&nbsp;Die \u201eProfessionellen\u201c sch\u00e4tzen inzwischen unsere Arbeit,&nbsp;die zu leisten sie auf Dauer nicht in der Lage sind, &nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;n\u00e4mlich die aus eigener Betroffenheit gewachsene verst\u00e4ndnisvolle Begleitung der verzweifelten Eltern&nbsp;&nbsp; &nbsp; aus Leid und Hilflosigkeit,&nbsp;&nbsp; &nbsp; das behutsame Eingehen auf ihre \u00c4ngste,&nbsp;&nbsp; &nbsp; das Auffangen ihrer Sorgen und&nbsp;&nbsp; &nbsp; die Vermittlung von Geborgenheit. Das A und O dieser Elternkreise ist der Erfahrungs- und Leidensaustausch betroffener Menschen.Eltern lernen, dass Sucht kein Randgruppenproblem ist, sondern viele Ursachen hat. &nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201e Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale S\u00fcchtige.\u201cFerner lernen sie, dass sie nicht den S\u00fcchtigen \u00e4ndern k\u00f6nnen, wohl aber ihr eigenes Verhalten, und dazu ben\u00f6tigen sie Hilfe. Im Elternkreis f\u00fchlen sich Eltern getragen und verstanden. Sie helfen sich gegenseitig&nbsp;&nbsp; Gelassenheit zu bewahren,&nbsp;&nbsp; die Hoffnung nie zu verlieren im Auf und Ab der Suchterkrankung ihres Kindes,&nbsp;&nbsp; gemeinsam die Sucht und Cleanphasen zu durchleben,&nbsp;&nbsp; die Therapiebereitschaft sowie den Th.-Abbruch,&nbsp;&nbsp; Die Kriminalit\u00e4t und den Gef\u00e4ngnisbesuch,&nbsp;&nbsp; Krankheit und Tod&nbsp;&nbsp; sowie Hoffnung und Trauer. Die Lernphasen der Eltern sind unterschiedlich. Im allgemeinen gesehen ist es Schwerstarbeit, denn wer begreift, dass, wenn ich helfen will, gar nichts tun sollte. Irgendwann, die Zeit bestimmen die Eltern selbst, k\u00f6nnen Eltern Abschied nehmen von dem verst\u00e4ndlichen Wunsch, den Lebensweg ihrer Kinder lenken und ihnen viel Leid und Irrwege ersparen zu k\u00f6nnen. Sie begreifen, dass die Elternrolle nur&nbsp;eine begrenzte Aufgabe in ihrem Leben ist,&nbsp;und dass auch Eltern ein Recht haben, ihr eigenes Leben zu leben und zu gestalten, ganz egal wie sich das betroffene Kind entscheidet. Erst wenn Eltern sich befreit haben von der ungesunden Abh\u00e4ngigkeit des S\u00fcchtigen, gewinnen Sie Kraft. eine neue Ebene der Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. Immer wieder erleben wir es wie ein Wunder, unser Kind begreift seine Eigenverantwortlichkeit und entdeckt seine versch\u00fctteten F\u00e4higkeiten, die ihm den Weg aus der Sucht in ein freies, unabh\u00e4ngiges Leben weisen k\u00f6nnen. Selbsthilfegruppen sind heute eine wichtige S\u00e4ule unseres Sozial- und Gesundheitssystems.Allerdings k\u00f6nnen und sollen Selbsthilfegruppen keine Leistungen im Gesundheits- und Sozialbereich einsparen helfen.Sie sind&nbsp;kein Ersatz&nbsp;f\u00fcr die&nbsp;&nbsp;&nbsp;professionelle, therapeutische Behandlung durch Fachleute,&nbsp;&nbsp; sondern sinnvolle Erg\u00e4nzungen. Die Arbeit der Selbsthilfegruppen hat in unserer heutigen Gesellschaft einen gro\u00dfen Stellenwert.Und ich m\u00f6chte meinen Vortrag mit zwei wunderbaren S\u00e4tzen beenden: Die ehrenamtlich engagierten Menschen sind die wahren Leistungstr\u00e4ger eines sozialen Staates. Die W\u00e4hrung der B\u00fcrgerarbeit ist nicht der Euro,sondern die \u00f6ffentliche Anerkennung. Renate Auer,Mitglied der Lenkungsgruppe&#8222;Suchthilfeverbund im LA Konstanz&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":true,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-100","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-presseartikel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=100"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100\/revisions\/101"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}