{"id":129,"date":"2019-03-15T17:27:17","date_gmt":"2019-03-15T16:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/?p=129"},"modified":"2024-01-06T10:44:00","modified_gmt":"2024-01-06T09:44:00","slug":"nur-starke-eltern-koennen-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/2019\/03\/15\/nur-starke-eltern-koennen-helfen\/","title":{"rendered":"Nur starke Eltern k\u00f6nnen helfen"},"content":{"rendered":"\n<p>Zuerst eine T\u00fcte rauchen, mal sehen, wie es bei mir wirkt. Dann hier und da mal einen mit Hasch angereicherten Keks oder ein St\u00fcck Kuchen essen und sich lustig f\u00fchlen. Was ist denn schon dabei? Auch bei Jan (Namen ge\u00e4ndert) fing es mit 14 Jahren genauso und scheinbar harmlos an. &#8222;Mama, mach dir keine Sorgen, ich kann ja wieder aufh\u00f6ren&#8220;, erz\u00e4hlte er seiner Mutter. Dem harmlosen Anfang folgten \u00fcber sechs Jahre harten Drogenkonsums bis hin zur Schwerstabh\u00e4ngigkeit. Momentan lebt Jan in der Drogensubstitution, auch Drogenersatztherapie genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass er Drogen konsumiert, &#8222;habe ich sofort an seiner Wesensver\u00e4nderung gemerkt&#8220;, erkl\u00e4rt Jans Mutter. Ihr erster Weg f\u00fchrte sie damals zur Drogenberatungsstelle. Trotzdem denke man immer noch, dass man es alleine schaffe. Denn in der eigenen Familie k\u00f6nne so etwas ja wohl nicht sein. Mit 15 Jahren hatte Jan seine erste Entgiftung. Er war damals der einzige in der Gruppe, der sie bis zum Schluss durchhielt. Zum Aufatmen kam die Familie dennoch nicht, denn nur einen Tag sp\u00e4ter wurde Jan r\u00fcckf\u00e4llig. &#8222;Dann ging es ganz rapide&#8220;, erinnert sich seine Mutter, die das Ganze wie &#8222;ohnm\u00e4chtig&#8220; erlebte. &#8222;Man sieht sein Kind sterben&#8220;, beschreibt sie ihr Gef\u00fchl, und man merke, dass man nur noch gegen W\u00e4nde laufe. &#8222;Ich kam mir vor wie eine Puppe, an der von jeder Seite gezogen wurde.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf Jahre brauchte sie, bis sie so weit war, sich selber helfen zu lassen und Kontakt mit dem &#8222;Elternkreis drogengef\u00e4hrdeter und drogenabh\u00e4ngiger Jugendlicher&#8220; in Radolfzell aufnahm. Hier fand sie die Menschen, die sie verstanden und Hilfestellungen gaben und die ihr letztlich auch rieten, ihren Sohn in der letzten Konsequenz rauszuschmei\u00dfen, um ihm zu zeigen, dass man Drogen in der Familie nicht akzeptiere. Seinen eigenen Weg muss trotzdem jeder selber finden. Dennoch gibt es Grunds\u00e4tze: Weder Ursachenforschung noch eigene Schuldzuweisungen bringen einen weiter. &#8222;Man muss loslassen k\u00f6nnen, ohne den anderen fallen zu lassen&#8220;, beschreibt Renate Auer, Leiterin des Elternkreises, den Schritt, den Betroffene zuerst machen m\u00fcssen. Der S\u00fcchtige muss lernen, die Verantwortung in die eigene Hand zu nehmen. Erst als Jans Mutter es weitestgehend verinnerlicht und gelernt hatte, konsequent &#8222;Nein&#8220; zu sagen und ehrlich und klar gegen\u00fcber dem Sohn auftrat, ging es f\u00fcr sie und ihre Familie voran. Zudem musste sie lernen, sich nie wieder in eine Co-Abh\u00e4ngigkeit zu begeben: Das hei\u00dft, keine Entschuldigungen mehr f\u00fcr die Schule zu schreiben, keine Arzttermine mehr f\u00fcr den Sohn zu organisieren und vor allem ihm kein Geld in die Hand zu geben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" height=\"198\" src=\"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/renateauer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-124\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Renate Auer leitete den Elternkreis drogengef\u00e4hrdeter und drogenabh\u00e4ngiger Jugendlicher Singen &#8211; Radolfzell &#8211; Konstanz<\/em><br><em>(BILD: KIRSCH)<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">&#8222;Suchtgef\u00e4hrdete Kinder und Jugendliche brauchen starke Eltern&#8220;, erkl\u00e4rt Renate Auer. Dabei hilft den Betroffenen der Elternkreis, der Angeh\u00f6rige oder auch Freunde auff\u00e4ngt und ihnen zuh\u00f6rt. &#8222;Wir sind f\u00fcreinander da und tauschen unsere Erfahrungen aus&#8220;, beschreibt Renate Auer die Aufgabe des Elternkreises, den sie \u00fcber 25 Jahren leitete. Dabei machte sie die Erfahrung, dass Sucht alle gesellschaftlichen Schichten betrifft und meint: &#8222;Man muss es nur vor sich selber zugeben, zur Sucht des eigenen Kindes stehen, daneben aber dem Abh\u00e4ngigen die Suchtkarriere so schwer wie m\u00f6glich machen. Nur so hat man eine Chance.&#8220;<br><br><em>Antje Kirsch, S\u00fcdkurier 20.06.2008<\/em><br><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">So erkenne ich Sucht<\/h2>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-very-light-gray-background-color has-background\"><strong>Merkmale<\/strong><br>langj\u00e4hrige Freundschaften brechen ab, mangelnde Motivation, M\u00fcdigkeit, starke Pupillenver\u00e4nderungen, Schwei\u00dfausbr\u00fcche, Handzittern, Unruhe, Schlaflosigkeit, Leistungsabfall in der Schule, vermehrter Geldbedarf, Stimmungsschwankungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-very-light-gray-background-color has-background\"><strong>Das kann ich tun<\/strong><br>Ruhe bewahren und nicht in Panik geraten. Hausarrest oder Vorw\u00fcrfe helfen nicht. Es sollte die Frage gestellt werden: Was fehlt dir, dass du Drogen nimmst? Hilfe bei Suchtberatungsstellen und im Elternkreis suchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-very-light-gray-background-color has-background\"><strong>Das ist der Elternkreis<\/strong><br>Dort treffen sich Eltern, Gro\u00dfeltern, Geschwisterkinder und Personen, bei denen ein Kind mit Suchtproblemen lebt. Treffen: jeden ersten Mittwoch im Monat von 19 bis 22 Uhr im Mehrgenerationenhaus in der Teggingerstr.16 in Radolfzell.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst eine T\u00fcte rauchen, mal sehen, wie es bei mir wirkt. Dann hier und da mal einen mit Hasch angereicherten Keks oder ein St\u00fcck Kuchen essen und sich lustig f\u00fchlen. Was ist denn schon dabei? Auch bei Jan (Namen ge\u00e4ndert) fing es mit 14 Jahren genauso und scheinbar harmlos an. &#8222;Mama, mach dir keine Sorgen, ich kann ja wieder aufh\u00f6ren&#8220;, erz\u00e4hlte er seiner Mutter. Dem harmlosen Anfang folgten \u00fcber sechs Jahre harten Drogenkonsums bis hin zur Schwerstabh\u00e4ngigkeit. Momentan lebt Jan in der Drogensubstitution, auch Drogenersatztherapie genannt. Dass er Drogen konsumiert, &#8222;habe ich sofort an seiner Wesensver\u00e4nderung gemerkt&#8220;, erkl\u00e4rt Jans Mutter. Ihr erster Weg f\u00fchrte sie damals zur Drogenberatungsstelle. Trotzdem denke man immer noch, dass man es alleine schaffe. Denn in der eigenen Familie k\u00f6nne so etwas ja wohl nicht sein. Mit 15 Jahren hatte Jan seine erste Entgiftung. Er war damals der einzige in der Gruppe, der sie bis zum Schluss durchhielt. Zum Aufatmen kam die Familie dennoch nicht, denn nur einen Tag sp\u00e4ter wurde Jan r\u00fcckf\u00e4llig. &#8222;Dann ging es ganz rapide&#8220;, erinnert sich seine Mutter, die das Ganze wie &#8222;ohnm\u00e4chtig&#8220; erlebte. &#8222;Man sieht sein Kind sterben&#8220;, beschreibt sie ihr Gef\u00fchl, und man merke, dass man nur noch gegen W\u00e4nde laufe. &#8222;Ich kam mir vor wie eine Puppe, an der von jeder Seite gezogen wurde.&#8220; F\u00fcnf Jahre brauchte sie, bis sie so weit war, sich selber helfen zu lassen und Kontakt mit dem &#8222;Elternkreis drogengef\u00e4hrdeter und drogenabh\u00e4ngiger Jugendlicher&#8220; in Radolfzell aufnahm. Hier fand sie die Menschen, die sie verstanden und Hilfestellungen gaben und die ihr letztlich auch rieten, ihren Sohn in der letzten Konsequenz rauszuschmei\u00dfen, um ihm zu zeigen, dass man Drogen in der Familie nicht akzeptiere. Seinen eigenen Weg muss trotzdem jeder selber finden. Dennoch gibt es Grunds\u00e4tze: Weder Ursachenforschung noch eigene Schuldzuweisungen bringen einen weiter. &#8222;Man muss loslassen k\u00f6nnen, ohne den anderen fallen zu lassen&#8220;, beschreibt Renate Auer, Leiterin des Elternkreises, den Schritt, den Betroffene zuerst machen m\u00fcssen. Der S\u00fcchtige muss lernen, die Verantwortung in die eigene Hand zu nehmen. Erst als Jans Mutter es weitestgehend verinnerlicht und gelernt hatte, konsequent &#8222;Nein&#8220; zu sagen und ehrlich und klar gegen\u00fcber dem Sohn auftrat, ging es f\u00fcr sie und ihre Familie voran. Zudem musste sie lernen, sich nie wieder in eine Co-Abh\u00e4ngigkeit zu begeben: Das hei\u00dft, keine Entschuldigungen mehr f\u00fcr die Schule zu schreiben, keine Arzttermine mehr f\u00fcr den Sohn zu organisieren und vor allem ihm kein Geld in die Hand zu geben. &#8222;Suchtgef\u00e4hrdete Kinder und Jugendliche brauchen starke Eltern&#8220;, erkl\u00e4rt Renate Auer. Dabei hilft den Betroffenen der Elternkreis, der Angeh\u00f6rige oder auch Freunde auff\u00e4ngt und ihnen zuh\u00f6rt. &#8222;Wir sind f\u00fcreinander da und tauschen unsere Erfahrungen aus&#8220;, beschreibt Renate Auer die Aufgabe des Elternkreises, den sie \u00fcber 25 Jahren leitete. Dabei machte sie die Erfahrung, dass Sucht alle gesellschaftlichen Schichten betrifft und meint: &#8222;Man muss es nur vor sich selber zugeben, zur Sucht des eigenen Kindes stehen, daneben aber dem Abh\u00e4ngigen die Suchtkarriere so schwer wie m\u00f6glich machen. Nur so hat man eine Chance.&#8220; Antje Kirsch, S\u00fcdkurier 20.06.2008 So erkenne ich Sucht Merkmalelangj\u00e4hrige Freundschaften brechen ab, mangelnde Motivation, M\u00fcdigkeit, starke Pupillenver\u00e4nderungen, Schwei\u00dfausbr\u00fcche, Handzittern, Unruhe, Schlaflosigkeit, Leistungsabfall in der Schule, vermehrter Geldbedarf, Stimmungsschwankungen. Das kann ich tunRuhe bewahren und nicht in Panik geraten. Hausarrest oder Vorw\u00fcrfe helfen nicht. Es sollte die Frage gestellt werden: Was fehlt dir, dass du Drogen nimmst? Hilfe bei Suchtberatungsstellen und im Elternkreis suchen. Das ist der ElternkreisDort treffen sich Eltern, Gro\u00dfeltern, Geschwisterkinder und Personen, bei denen ein Kind mit Suchtproblemen lebt. 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