{"id":226,"date":"2024-05-03T18:43:59","date_gmt":"2024-05-03T16:43:59","guid":{"rendered":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/?p=226"},"modified":"2024-05-03T18:48:49","modified_gmt":"2024-05-03T16:48:49","slug":"betroffene-sprechen-ueber-ein-tabuthema-was-tun-wenn-das-eigene-kind-drogenabhaengig-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/2024\/05\/03\/betroffene-sprechen-ueber-ein-tabuthema-was-tun-wenn-das-eigene-kind-drogenabhaengig-ist\/","title":{"rendered":"Betroffene sprechen \u00fcber ein Tabuthema: Was tun, wenn das eigene Kind drogenabh\u00e4ngig ist?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Jedem kann es passieren: Das ist die Botschaft von Eltern aus dem Kreis Konstanz, deren Kinder drogens\u00fcchtig sind oder waren. Sie sprechen \u00fcber schockierende Momente, harte Entscheidungen \u2013 und vieles, was Mut macht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es war der Schock meines Lebens und zw\u00f6lf Jahre die H\u00f6lle \u2013 ich h\u00e4tte nie gedacht, dass mir das einmal passieren w\u00fcrde&#8220;, sagt Monika Seyer an einem langen Tisch mit Mandarinen, Schokolade und Wasserflaschen. Ihr gegen\u00fcber sitzt Sabine Mitter: &#8222;Als ich das erste Mal hier war, habe ich nur geheult&#8220;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden M\u00fctter hei\u00dfen nicht wirklich so, ihre&nbsp;richtigen Namen sind der Redaktion bekannt, sie wollen aber lieber anonym bleiben. Zu gro\u00df ist die Sorge, erkannt und vorverurteilt zu werden. Denn ihre Kinder sind oder waren drogenabh\u00e4ngig, ihre Erlebnisse machen betroffen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/12543122_shift-644x362-1288w_1ADl5k_6CfdTv-1024x576.webp\" alt=\"Zita Wisch Elternkreis Singen-Radolfzell\" class=\"wp-image-227 size-full\" srcset=\"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/12543122_shift-644x362-1288w_1ADl5k_6CfdTv-1024x576.webp 1024w, https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/12543122_shift-644x362-1288w_1ADl5k_6CfdTv-300x169.webp 300w, https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/12543122_shift-644x362-1288w_1ADl5k_6CfdTv-768x432.webp 768w, https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/12543122_shift-644x362-1288w_1ADl5k_6CfdTv-1140x641.webp 1140w, https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/12543122_shift-644x362-1288w_1ADl5k_6CfdTv.webp 1288w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Seit&nbsp;42&nbsp;Jahren treffen sich im Radolfzeller Haus der Diakonie einmal pro Monat Eltern und Gro\u00dfeltern von suchtkranken Jugendlichen und jungen Erwachsenen, um sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen. An diesem Abend sind sechs M\u00fctter und zwei V\u00e4ter gekommen. &#8222;Es kostet viel \u00dcberwindung, hierher zu kommen \u2013 aber es hilft\u201d, sagt&nbsp;Zita&nbsp;Wirsch.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Liquid Ecstasy, Pillen und Pilze<br><\/strong>Ihr Sohn sei 15 gewesen, als er begonnen habe, Cannabis zu rauchen. Dann folgten Liquid Ecstasy, Schmerzmittel, chemisches Marihuana und Pilze. &#8222;Er ist morgens aus dem Haus, aber selten zur Schule&#8220;, erz\u00e4hlt das Paar. Fortan habe ihr Sohn unter Wahnvorstellungen und Psychosen gelitten, war manches Mal gar nicht mehr ansprechbar. &#8222;Eines Tages mussten wir ihn aus dem Haus schmei\u00dfen, es ging nicht mehr anders, die Nerven lagen blank&#8220;, schildert Familie Hauser. Es folgte ein 14-t\u00e4giger Entzug im Zentrum f\u00fcr Psychiatrie (ZfP) Reichenau.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch dort musste der junge Mann gehen, weil er weiter heimlich Drogen konsumierte. Nach Tagen der Obdachlosigkeit verschafften die Eltern ihm eine eigene Wohnung. Heute konsumiert ihr Sohn zwar weiterhin moderat, geht aber einer geregelten Arbeit nach und hat sein Leben in den Griff bekommen. &#8222;Die Angst bleibt, dass etwas passieren k\u00f6nnte, das ihn aus der Bahn wirft und r\u00fcckf\u00e4llig werden l\u00e4sst&#8220;, sagen sie. Diese gro\u00dfe Sorge teilen alle anwesenden Eltern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>INFOKASTEN: Gruppenzwang und Freundeskreis<br><\/strong>Bei vielen betroffenen Kindern und Jugendlichen beginne der Konsum von verbotenen Substanzen in der Pubert\u00e4t, mit 13, 14 oder 15 Jahren. &#8222;Wer kein Selbstvertrauen hat, sich ausgegrenzt f\u00fchlt und unsicher ist, probiert eher Rauschgift aus&#8220;, sagt ein betroffenes Ehepaar im Elternkreis f\u00fcr drogengef\u00e4hrdete und -anh\u00e4ngige Kinder. Auch Gruppenzwang und falsche Freundeskreise w\u00fcrden eine Rolle spielen. &#8222;Wer gefestigt ist, sagt vielleicht eher &#8218;Nein, das probier ich nicht'&#8220;, so die Eltern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neugeborene m\u00fcssen durch kalten Entzug&nbsp;<br><\/strong>Bei Sabine Mitters erstem Besuch im Elternkreis vergoss sie viele Tr\u00e4nen, da ihre Tochter mit 17 Jahren heroinabh\u00e4ngig wurde. Als diese selbst Kinder auf die Welt brachte, mussten die Neugeborenen jeweils die ersten sechs Wochen einen kalten Drogenentzug \u00fcberstehen. &#8222;Das war hart f\u00fcr mich, sehr hart. Aber heute geht es meinen Enkelkindern gut&#8220;, sagt die Radolfzellerin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ihre Tochter habe sich gut entwickelt, befindet sich seit Jahren in einem Methadon-Substitutions-Programm. Das Risiko, dass das Jugendamt ihr ihre Kinder abnehmen k\u00f6nnte, habe ihr geholfen, sich von der Drogensucht zu befreien. &#8222;Sie hat gelernt, Verantwortung f\u00fcr ihr Leben zu \u00fcbernehmen, macht gerade eine zweite Ausbildung und schafft das toll&#8220;, sagt Mitter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beschaffungskriminalit\u00e4t<\/strong><br>&#8222;Wie tief muss ein Mensch fallen, wie gro\u00df der Leidensdruck sein, damit er oder sie etwas ver\u00e4ndern m\u00f6chte im Leben?&#8220;, fragt die eingangs erw\u00e4hnte Monika Seyer. Ab dem Alter von 14 war ihre Tochter jahrelang heroinabh\u00e4ngig. Die Sucht nach Rauschgift habe ihr Kind und sein Gehirn ver\u00e4ndert, sein Verhalten und seine Reaktionen. &#8222;Pl\u00f6tzlich verschwindet Geld, der Schmuck. Am Anfang habe ich geglaubt, ich h\u00e4tte es blo\u00df verlegt&#8220;, sagt sie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Oft habe Seyer gedacht, sie sei im falschen Film. &#8222;Aber es war mein Leben&#8220;. Zu Beginn der Sucht sei sie nachts durch die Gegend gefahren, um ihre Tochter zu suchen. Irgendwann werde auch die Beschaffungskriminalit\u00e4t f\u00fcr die teuren Drogen ein Thema \u2013 von Prostitution bis hin zu \u00dcberf\u00e4llen. &#8222;Dann steht dein Kind pl\u00f6tzlich vor einem Richter und du fragst dich, wohin f\u00fchrt dieser Teufelskreis noch?&#8220;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alle Gesellschaftsschichten betroffen<br><\/strong>Seyers Tochter habe so viele Entz\u00fcge durchgemacht. &#8222;Mama, die Droge ist so gut, so geil&#8220;, habe ihr ihre Tochter manchmal gesagt. Danach folgte der v\u00f6llige Absturz und Zusammenbruch sowie der unbedingte Wille, dieses k\u00fcnstliche Gl\u00fccksgef\u00fchl wieder zu erreichen. &#8222;Es z\u00e4hlt nur das n\u00e4chste High \u2013 bis zur Verwahrlosung&#8220;, sagt Seyer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen w\u00fcrden glauben, in ihrer Familie k\u00f6nne es nicht passieren, dass ein Kind s\u00fcchtig nach Rauschgift werde. Aber die Wahrheit sei, dass Drogensucht alle Gesellschaftsschichten betreffe \u2013 vom studierten Anwalt bis zum einfachen Arbeiter. So gab es auch einen jungen Banker und einen Koch im Elternkreis, die abh\u00e4ngig von Kokain und Marihuana waren, weil sie glaubten, nur so den beruflichen Stress ertragen zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ratschlag: Das eigene Kind vor die T\u00fcr setzen<br><\/strong>&#8222;Die Sucht brechen k\u00f6nnten S\u00fcchtige nur selbst&#8220;, ist Seyer \u00fcberzeugt. Manche w\u00fcrden es ohne Hilfe schaffen, andere nur mit. &#8222;Ein Fehler ist jedenfalls die falsche Unterst\u00fctzung der sorgenden Eltern&#8220;, sagt Seyer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Ratschlag im Elternkreis lautet, drogenabh\u00e4ngigen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kein Geld zu geben, keine Rechnungen zu bezahlen und&nbsp;wenn das&nbsp;Zusammenleben gar nicht mehr geht, aus der elterlichen Wohnung zu werfen. &#8222;Aber bis man das schafft, sein eigenes Kind vor die T\u00fcr zu setzen und sich zu distanzieren, braucht man die Unterst\u00fctzung der Gruppe&#8220;, sagt eine weitere Mutter, Miriam Beiler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was die Heilung beschleunigt<br><\/strong>Als ihre drogenabh\u00e4ngige Tochter im Alter von 18 Jahren schlie\u00dflich&nbsp;ausziehen musste, habe diese danach in einem sozialen Netzwerk einmal gepostet, dass sie krank sei und ob ihr jemand eine Suppe bringen k\u00f6nne. &#8222;Ich habe das gelesen und es war sehr hart, ihr nicht zu helfen und zu sagen, du&nbsp;kannst&nbsp;nicht mehr Zuhause wohnen&#8220;, sagt Beiler. Schlie\u00dflich sei man als Mutter oder Vater ja gewillt, f\u00fcr sein Kind alles zu tun.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir haben heute ein gutes Verh\u00e4ltnis, sie kommt gerne heim und sagt, ich sei die Letzte, die an irgendetwas schuld sei&#8220; so Beiler. Sich vom eigenen Kind zu distanzieren, falle furchtbar schwer, beschleunige aber die Heilung. &#8222;Das ist die Erkenntnis&#8220;.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Seyers Tochter steht inzwischen mit beiden Beinen fest im Leben, ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. &#8222;Erst jetzt habe ich von meiner Tochter wieder geh\u00f6rt: &#8218;Du hast alles richtig gemacht, Mama. Es war nicht deine Schuld&#8216;.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hier finden Betroffene Hilfe&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kreis Konstanz<\/strong><br>Der Elternkreis f\u00fcr drogengef\u00e4hrdete und -abh\u00e4ngige Jugendliche trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat von 19 Uhr bis 22 Uhr in Radolfzell, im Haus der Diakonie, Teggingerstra\u00dfe 16. Kontakt unter der Telefonnummer&nbsp;0178 585 1946.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bodenseekreis<\/strong><br>Der Elternkreis Friedrichshafen kommt meist an jedem zweiten Montag im Monat von 19 bis 22 Uhr im Geb\u00e4ude &#8222;Kontra&#8220; in der Ernst-Lehmann-Stra\u00dfe 26 in Friedrichshafen zusammen. Kontakt telefonisch unter 0176\/8353 8096.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schwarzwald-Baar\/Tuttlingen<\/strong><br>Der Elternkreis suchtkranker und suchtgef\u00e4hrdeter Kinder f\u00fcr die Landkreise Rottweil, Schwarzwald-Baar und Tuttlingen trifft sich in der Villinger Stra\u00dfe 35 in Villingen-Schwenningen. Kontakt unter der Telefonnummer 0172\/2985886.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hochrhein<\/strong><br>Der Elternkreis L\u00f6rrach trifft sich 14-t\u00e4gig, donnerstags, um 19.30 Uhr zum Gruppengespr\u00e4ch in den R\u00e4umen der Drogenhilfe Drehscheibe, Spitalstra\u00dfe 70, in L\u00f6rrach. Die genauen Termine k\u00f6nnen unter Tel. 07623\/590 36 erfragt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Infos und Links<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Teilnahme ist jeweils kostenlos und unverbindlich. Informationen im Internet:&nbsp;<br><a href=\"http:\/\/www.elternkreis-bodensee.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.elternkreis-bodensee.de<\/a>&nbsp;\u2013&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.elternkreis-rw-vs-tut.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.elternkreis-rw-vs-tut.de<\/a>&nbsp;\u2013&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.elternkreis-loerrach.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.elternkreis-loerrach.de<\/a>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quelle: S\u00fcdkurier, Februar 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedem kann es passieren: Das ist die Botschaft von Eltern aus dem Kreis Konstanz, deren Kinder drogens\u00fcchtig sind oder waren. 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An diesem Abend sind sechs M\u00fctter und zwei V\u00e4ter gekommen. &#8222;Es kostet viel \u00dcberwindung, hierher zu kommen \u2013 aber es hilft\u201d, sagt&nbsp;Zita&nbsp;Wirsch. Liquid Ecstasy, Pillen und PilzeIhr Sohn sei 15 gewesen, als er begonnen habe, Cannabis zu rauchen. Dann folgten Liquid Ecstasy, Schmerzmittel, chemisches Marihuana und Pilze. &#8222;Er ist morgens aus dem Haus, aber selten zur Schule&#8220;, erz\u00e4hlt das Paar. Fortan habe ihr Sohn unter Wahnvorstellungen und Psychosen gelitten, war manches Mal gar nicht mehr ansprechbar. &#8222;Eines Tages mussten wir ihn aus dem Haus schmei\u00dfen, es ging nicht mehr anders, die Nerven lagen blank&#8220;, schildert Familie Hauser. Es folgte ein 14-t\u00e4giger Entzug im Zentrum f\u00fcr Psychiatrie (ZfP) Reichenau.&nbsp; Doch auch dort musste der junge Mann gehen, weil er weiter heimlich Drogen konsumierte. Nach Tagen der Obdachlosigkeit verschafften die Eltern ihm eine eigene Wohnung. Heute konsumiert ihr Sohn zwar weiterhin moderat, geht aber einer geregelten Arbeit nach und hat sein Leben in den Griff bekommen. &#8222;Die Angst bleibt, dass etwas passieren k\u00f6nnte, das ihn aus der Bahn wirft und r\u00fcckf\u00e4llig werden l\u00e4sst&#8220;, sagen sie. Diese gro\u00dfe Sorge teilen alle anwesenden Eltern.&nbsp; INFOKASTEN: Gruppenzwang und FreundeskreisBei vielen betroffenen Kindern und Jugendlichen beginne der Konsum von verbotenen Substanzen in der Pubert\u00e4t, mit 13, 14 oder 15 Jahren. &#8222;Wer kein Selbstvertrauen hat, sich ausgegrenzt f\u00fchlt und unsicher ist, probiert eher Rauschgift aus&#8220;, sagt ein betroffenes Ehepaar im Elternkreis f\u00fcr drogengef\u00e4hrdete und -anh\u00e4ngige Kinder. Auch Gruppenzwang und falsche Freundeskreise w\u00fcrden eine Rolle spielen. &#8222;Wer gefestigt ist, sagt vielleicht eher &#8218;Nein, das probier ich nicht&#8217;&#8220;, so die Eltern. Neugeborene m\u00fcssen durch kalten Entzug&nbsp;Bei Sabine Mitters erstem Besuch im Elternkreis vergoss sie viele Tr\u00e4nen, da ihre Tochter mit 17 Jahren heroinabh\u00e4ngig wurde. Als diese selbst Kinder auf die Welt brachte, mussten die Neugeborenen jeweils die ersten sechs Wochen einen kalten Drogenentzug \u00fcberstehen. &#8222;Das war hart f\u00fcr mich, sehr hart. Aber heute geht es meinen Enkelkindern gut&#8220;, sagt die Radolfzellerin.&nbsp; Auch ihre Tochter habe sich gut entwickelt, befindet sich seit Jahren in einem Methadon-Substitutions-Programm. Das Risiko, dass das Jugendamt ihr ihre Kinder abnehmen k\u00f6nnte, habe ihr geholfen, sich von der Drogensucht zu befreien. &#8222;Sie hat gelernt, Verantwortung f\u00fcr ihr Leben zu \u00fcbernehmen, macht gerade eine zweite Ausbildung und schafft das toll&#8220;, sagt Mitter. Beschaffungskriminalit\u00e4t&#8222;Wie tief muss ein Mensch fallen, wie gro\u00df der Leidensdruck sein, damit er oder sie etwas ver\u00e4ndern m\u00f6chte im Leben?&#8220;, fragt die eingangs erw\u00e4hnte Monika Seyer. Ab dem Alter von 14 war ihre Tochter jahrelang heroinabh\u00e4ngig. Die Sucht nach Rauschgift habe ihr Kind und sein Gehirn ver\u00e4ndert, sein Verhalten und seine Reaktionen. &#8222;Pl\u00f6tzlich verschwindet Geld, der Schmuck. Am Anfang habe ich geglaubt, ich h\u00e4tte es blo\u00df verlegt&#8220;, sagt sie.&nbsp; Oft habe Seyer gedacht, sie sei im falschen Film. &#8222;Aber es war mein Leben&#8220;. Zu Beginn der Sucht sei sie nachts durch die Gegend gefahren, um ihre Tochter zu suchen. Irgendwann werde auch die Beschaffungskriminalit\u00e4t f\u00fcr die teuren Drogen ein Thema \u2013 von Prostitution bis hin zu \u00dcberf\u00e4llen. &#8222;Dann steht dein Kind pl\u00f6tzlich vor einem Richter und du fragst dich, wohin f\u00fchrt dieser Teufelskreis noch?&#8220;&nbsp; Alle Gesellschaftsschichten betroffenSeyers Tochter habe so viele Entz\u00fcge durchgemacht. &#8222;Mama, die Droge ist so gut, so geil&#8220;, habe ihr ihre Tochter manchmal gesagt. Danach folgte der v\u00f6llige Absturz und Zusammenbruch sowie der unbedingte Wille, dieses k\u00fcnstliche Gl\u00fccksgef\u00fchl wieder zu erreichen. &#8222;Es z\u00e4hlt nur das n\u00e4chste High \u2013 bis zur Verwahrlosung&#8220;, sagt Seyer.&nbsp; Viele Menschen w\u00fcrden glauben, in ihrer Familie k\u00f6nne es nicht passieren, dass ein Kind s\u00fcchtig nach Rauschgift werde. Aber die Wahrheit sei, dass Drogensucht alle Gesellschaftsschichten betreffe \u2013 vom studierten Anwalt bis zum einfachen Arbeiter. So gab es auch einen jungen Banker und einen Koch im Elternkreis, die abh\u00e4ngig von Kokain und Marihuana waren, weil sie glaubten, nur so den beruflichen Stress ertragen zu k\u00f6nnen.&nbsp; Ratschlag: Das eigene Kind vor die T\u00fcr setzen&#8222;Die Sucht brechen k\u00f6nnten S\u00fcchtige nur selbst&#8220;, ist Seyer \u00fcberzeugt. Manche w\u00fcrden es ohne Hilfe schaffen, andere nur mit. &#8222;Ein Fehler ist jedenfalls die falsche Unterst\u00fctzung der sorgenden Eltern&#8220;, sagt Seyer.&nbsp; Der erste Ratschlag im Elternkreis lautet, drogenabh\u00e4ngigen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kein Geld zu geben, keine Rechnungen zu bezahlen und&nbsp;wenn das&nbsp;Zusammenleben gar nicht mehr geht, aus der elterlichen Wohnung zu werfen. &#8222;Aber bis man das schafft, sein eigenes Kind vor die T\u00fcr zu setzen und sich zu distanzieren, braucht man die Unterst\u00fctzung der Gruppe&#8220;, sagt eine weitere Mutter, Miriam Beiler. Was die Heilung beschleunigtAls ihre drogenabh\u00e4ngige Tochter im Alter von 18 Jahren schlie\u00dflich&nbsp;ausziehen musste, habe diese danach in einem sozialen Netzwerk einmal gepostet, dass sie krank sei und ob ihr jemand eine Suppe bringen k\u00f6nne. &#8222;Ich habe das gelesen und es war sehr hart, ihr nicht zu helfen und zu sagen, du&nbsp;kannst&nbsp;nicht mehr Zuhause wohnen&#8220;, sagt Beiler. Schlie\u00dflich sei man als Mutter oder Vater ja gewillt, f\u00fcr sein Kind alles zu tun.&nbsp; &#8222;Wir haben heute ein gutes Verh\u00e4ltnis, sie kommt gerne heim und sagt, ich sei die Letzte, die an irgendetwas schuld sei&#8220; so Beiler. Sich vom eigenen Kind zu distanzieren, falle furchtbar schwer, beschleunige aber die Heilung. &#8222;Das ist die Erkenntnis&#8220;.&nbsp; Auch Seyers Tochter steht inzwischen mit beiden Beinen fest im Leben, ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. &#8222;Erst jetzt habe ich von meiner Tochter wieder geh\u00f6rt: &#8218;Du hast alles richtig gemacht, Mama. Es war nicht deine Schuld&#8216;.&#8220; Hier finden Betroffene Hilfe&nbsp; Kreis KonstanzDer Elternkreis f\u00fcr drogengef\u00e4hrdete und -abh\u00e4ngige Jugendliche trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat von 19 Uhr bis 22 Uhr in Radolfzell, im Haus der Diakonie, Teggingerstra\u00dfe 16. Kontakt unter der Telefonnummer&nbsp;0178 585 1946.&nbsp; BodenseekreisDer Elternkreis Friedrichshafen kommt meist an jedem zweiten Montag im Monat von 19 bis 22 Uhr im Geb\u00e4ude &#8222;Kontra&#8220; in der Ernst-Lehmann-Stra\u00dfe 26 in Friedrichshafen zusammen. Kontakt telefonisch unter 0176\/8353 8096.&nbsp; Schwarzwald-Baar\/TuttlingenDer Elternkreis suchtkranker und suchtgef\u00e4hrdeter Kinder f\u00fcr die Landkreise Rottweil, Schwarzwald-Baar und Tuttlingen trifft sich in der Villinger Stra\u00dfe 35 in Villingen-Schwenningen. Kontakt unter der Telefonnummer 0172\/2985886.&nbsp; HochrheinDer Elternkreis L\u00f6rrach trifft sich 14-t\u00e4gig, donnerstags, um 19.30 Uhr zum Gruppengespr\u00e4ch in den R\u00e4umen der Drogenhilfe Drehscheibe, Spitalstra\u00dfe 70, in L\u00f6rrach. Die genauen Termine k\u00f6nnen unter Tel. 07623\/590 36 erfragt werden.&nbsp; Infos und Links Die Teilnahme ist jeweils kostenlos und unverbindlich. Informationen im Internet:&nbsp;www.elternkreis-bodensee.de&nbsp;\u2013&nbsp;www.elternkreis-rw-vs-tut.de&nbsp;\u2013&nbsp;www.elternkreis-loerrach.de&nbsp; Quelle: S\u00fcdkurier, Februar 2023<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-226","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-presseartikel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=226"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":235,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226\/revisions\/235"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/elternkreis-bodensee.de\/ek-be\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}